du kommst nach hause, rufst den lift, und während der herunter fährt, hörst du seltsame geräusche, so eine mischung aus grölen und lachen.
und die aufzugtür öffnet sich, und raus kommen- vier schwule. es ist wie das öffnen eines türchens beim adventkalender. einmal kam ein großer stämmiger mann aus dem lift, mit seinem kleinen hündchen. manchmal riecht es in dem lift nach gras. man weiß nie, was man bekommt. und das ist keine metapher für das leben, das ist einfach eine tatsache.
du sitzt auf dem fensterbrett, um dich leute, die du nie zuvor gesehen hast, und wahrscheinlich auch nie wieder sehen wirst. aber du hörst den paar menschen zu, die du schon so lange kennst, und denkst dir " in dieser gesellschaft kann man es zu etwas bringen- wenn man ein mann und ein arschloch ist". aber das sagst du natürlich nicht. und wenn du sie dann länger beobachtest, denn das kannst du gut, das stille rumsitzen und beobachten, fällt dir auf, dass die meisten nach dem motto "hier bin ich, wer will mich" agieren. und das kotzt dich an.
später an dem abend, schreibst du einer freundin eine sms: "Kennst du das, wenn eigentlich alles gut ist, aber auf einmal bricht alles zusammen? also in dir drinnen. und du weißt, morgen, wenn du wieder nüchtern bist, ist alles wieder okay, aber jetzt gerade, in dem moment, willst du einfach nur kuscheln... klingt wirr, oder? "
du fährst oft mit dem zug, und das schon lange, und du dachtest dir, dass man dabei leute kennen lernt. und jetzt, wo frühling ist, passiert das tatsächlich. dann setzt sich ein typ zu dir, groß, mit wunderschönen, durchdringenden augen, und fängt an mit dir zu reden. er kommt ursprünglich aus warschau und fährt jetzt nach münchen, aber das mag er nicht, weil ihn das an wien erinnert, wien findet er hässlich, das kannst du nicht verstehen. er erzählt dir, dass er seit seiner kindheit in berlin wohnt, deswegen dieser wunderbare dialekt, und wenn ihr länger gemeinsam mit diesem zug gefahren wärt, und er dich gefragt hätte, ob du mit nach berlin kommen willst- mann, natürlich hättest du das getan. alleine die mischung aus hustensaft und firsch gewaschener wäsche, nach der er roch.
dann ziehst du deine jacke an, da du gleich aussteigen musst, nimmst deine tasche auf den schoß und siehst ihn an. er lächelt und fragt, ob du schon gehen musst, du nickst. als du an ihm vorbei gehst, wünscht er dir viel glück, du sagst "dir auch". und bist weg.
du hast keine ahnung, wie er heißt, deswegen nennst du ihn liam. auch wenn das ziemlich sicher nicht polnisch ist.
Und wenn du duschen warst, riechst du gut, nicht mehr nach Menschen, Welt und Dreck.
J.D. fällt in ohnmacht beim kacken. du brichst halt in tränen aus, wenn du wütend bist- jeder hat so seine macken.
manchmal wenn ihr euch seht, habt ihr euch nichts zu sagen. ihr seid euch viel zu ähnlich, als über all den weltschmerz zu reden. und weil du eben leise bist, während er alles hinaus schreit, weil du dein seelenleid eben nicht öffentlich zur schau stellst. stattdessen sagst du gar nichts, und denkst dir, wie es wäre, immer laut sein zu müssen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen