Sonntag, 5. Mai 2013

Halb 3

So sehr dabei. Du warst so sehr dabei, dass du dich schon wieder selbst ins Abseits geschossen hast. Nachts. Halb drei. In der Küche. So sehr da, in dem ganzen Getümmel aus Menschen und Müll, Dreck und Zeugs und Lachen und die Uhr zeigt halb drei, in der Nacht. Und es wird später werden. Und du wirst aufwachen. Und wärst sogar nicht allein. Halb drei, du stehst da. Die Küche gibt nichts mehr her. Wie auch. Es gibt dir nichts mehr. Da, in der Küche, sollte was explodieren, du oder der Dreck oder die Leere oder das schallende Lachen von draußen oder einfach alles zusammen, sodass der ganze Staub einen Sinn hätte. Trotzdem, du hast gewählt. Und wachst auf und ärgerst dich über deine beklemmende Panik, die sich in dir ausbreitet, kaum, dass da was neues auf dich zu kommt. So sehr da und dabei kam nichts raus. Bockiges Ding, du. Aber im Nachhinein zusammenrollen und heulen wirkt auch ein bisschen doof. Und es tut dir leid, so irgendwie. Und so irgendwie glaubst du das alles nicht, um halb drei oder wenn der Wecker läutet oder dein Spiegelbild dich auslacht oder du all das Zeugs und Dreckdingeshurenkackscheißfummel abschüttelst.
So sehr dabei. Und doch nur eine Randnotiz. Die Leute werden reden, sie werden sagen "Ach, da war ja was." Aber was, werden sie vergessen haben. Nur ein Lufthauch, wie eine Feder berührst sie auf der Schulter, im Nacken, wie ein flüchtiger Blick zu einem Fremden, wenn die U-Bahn losfährt, ein zarter Gedanke um halb drei, in der Nacht- aber das Abbild deiner Selbst verblasst vor ihren Köpfen. 
Scheißdreckshurendingens, denkst du dir. Aber was solls. So sehr dabei. In der Straßenbahn, du hältst die Blicke nicht aus. Sie alle starren dich an. Bisschen paranoid? So ein bisschen depressiv oder schizophren? Klar, das sind wir alle. Muss man ja, um hip zu sein. Man muss dich nicht mögen. Du Metapher für das Universum. Auf deinen Schultern lastet die unbeschwerte Leichtigkeit des Seins. Beim Kacken. Um halb drei. In der Nacht. In der Küche. Schrei, schrei, schrei es raus, wenn der Ofen ausgeht. So leicht, du glaubst ein Windhauch würde dich über die Dächer hinfort wehen- und keinem würde es auffallen. "Hm... da war doch mal wer.... Komisch... Gibt's noch Bier?"

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